“Make- or-buy” im Corporate Venturing: Warum Corporate Startups häufig scheitern

Warum Corporate Startups häufig scheitern, bevor sie sich überhaupt im Markt beweisen konnten

Dr.Oetker kauft Flaschenpost – Kaufpreis 1 Milliarde“ war einer der größten und prominentesten Corporate Venture Capital Deals des Jahres. Dr.Oetker zahlt dabei mit dem Dreifachen des Jahresumsatzes von Flaschenpost (320 Millionen Euro) einen stolzen Preis (Flapo – Exit)*. Ebenso muss Henkel aus Düsseldorf mit über 300 Millionen Euro für das Kosmetik Startup HelloBody aus Berlin tief in die Taschen greifen. Als Alternative für den späten und dadurch kostspieligen Einstieg bei Startups am Markt, könnten sich Corporates auch der Makeor-Buy Entscheidung stellen und selbst neue Unternehmen aufbauen. 

 

Beispiele aus der Vergangenheit zeigen aber, dass es nicht leicht ist trotz finanzieller Stärke und einem vermeintlichen „unfairen Vorteil“ aus dem Kerngeschäft erfolgreiche Startups aufzubauen. So stellte Bosch sein Elektroroller Startup Coup Mobility frühzeitig ein, weil es „langfristig nicht wirtschaftlich zu betreiben sei“. Prompt kaufte jedoch das Mobility Startup Tier die gesamte Flotte mit 1500 Rollern und der gesamten Infrastruktur auf, weil es sehr wohl an den Erfolg glaubt (Coup Mobility). 

 

Corporate Startups scheitern häufig, bevor sie sich überhaupt am Markt beweisen können. Über Misserfolg und Erfolg von Corporate Startups wird schließlich in drei Valleys of Death entlang des Innovations Funnels entschieden. Erfahren Sie hier an welchen Abrisskanten im Funnel Sie beim Aufbau von Corporate Startups Sie besonders Acht geben müssen.  

 

Die Hauptursachen, warum Corporate Startups häufig scheitern, bevor sie sich überhaupt im Markt beweisen konnten, finden sich entlang des gesamten Innovation-Funnels. Corporate Innovation-Programme greifen hier oft zu kurz und berücksichtigen zu wenig die späteren Anforderungen an eine erfolgreiche Umsetzung. Wir sehen insbesondere drei Abrisskanten von Corporate Startups: 

Transform-or-Die-Valley-of-Death

Folgend dazu ein paar unserer #CorporateStartupLifeHacks, damit mehr Ideen in Ihrem Unternehmen Impact generieren:

Valley of Death I: Resource Requirements

Ideen scheitern oft am Übergang in die Validierungsphase des Geschäftsmodells, weil für die detaillierte Ausgestaltung und Prototyping ein crossfunktionales Team mit einer ausreichenden Allokation erforderlich ist. Dies ist oft ein Kraftakt für Unternehmen, weil die Verfügbarkeit oder die Bereitschaft fehlen, das erforderliche Team mit hinreichendem Fokus zur Verfügung zu stellen.

 

Corporate Startup LifeHack I: Nach dem Motto „Stop Starting, Start finishing“ hilft die Einführung eines stringenten Portfolio-Managements dabei, die richtigen Prioritäten zu setzen. Fehlen Ressourcen, dann geht es darum, Fokussierung zu erzwingen. Denn es ist besser, im Zweifel nur eine Idee in den Markt zu bringen, als 10 vorher versanden zu lassen.

Valley of Death II: Legal Requirements

Selbst erfolgreich validierte Geschäftsmodelle scheitern oft am Übergang in die Launch-/Pilot-Phase, wo das erste Mal echte Transaktionen durchgeführt werden, für die es neben einem stehenden und richtig besetzten Team auch eine für die Rechtgeschäfte haftende Legaleinheit erfordert. Beides steht häufig nicht kurzfristig bereit. Zudem wird nun auch eine Sichtbarkeit im Markt unausweichlich, was risikoaverse Unternehmen immer wieder abschreckt.

 

Corporate Startup LifeHack II: Das Marktrisiko, der Teamaufbau als auch die legalrechtlichen Anforderungen können recht einfach externalisiert werden, indem man den Bau und den Launch an einen Corporate Company Builder, wie z.B. Excubate Ventures auslagert. Eine spätere Übernahme des neuen Business nach erfolgreichem Markteintritt ist hier problemlos möglich und das Risiko für das Unternehmen auf ein Minimum reduziert.

Valley of Death III: Funding Requirements

Zeigt sich ein Corporate Startup als erfolgreich im Markt, folgt die Skalierungsphase, die neben einer signifikanten Wachstumsfinanzierung auch weitere operative Fähigkeiten und Kapazitäten erfordert. Für Beides braucht es die Bereitschaft und die Erfahrungen im Corporate, die verbundenen Risiken zu tragen und die operative Skalierung erfolgreich zu bewältigen. Beides ist nicht immer vorhanden sind.

 

Corporate Startup LifeHack III: Schlüpfen Sie in die Rolle eines Venture Capital Unternehmens. Und denken Sie im Rahmen von Wachstumsfinanzierungen auch über weitere Investoren aus dem Markt nach. Mehrere Investoren reduzieren ihr Risiko und erhöhen durch ihr Netzwerk auch den Erfolg des Corporate Startups. Nutzen Sie zudem externe Fähigkeiten für den operativen Scale-up, z.B. über Company Builder, die nicht nur die Build-Phase sondern auch die Betriebsphase übernehmen.

 

Welche Phasen des Innovations-Funnels und welchen Scope deckt Ihr Innovationsprogramm heute schon ab? Sind bei Ihnen nicht nur die Geschäftsmodellentwicklung sondern auch zukünftige Betreibermodelle klar definiert? Gerne diskutieren wie mit Ihnen, wie auch Ihr Unternehmen mehr Ideen in den Markt bringt und damit statt Innovationstheater echte Innovationen schafft.

Hintergrundinformationen: 

 

*Seit Anfang November spricht die deutsche Startup-Szene über den Exit von Flaschenpost an die Oetker-Gruppe – siehe Dr. Oetker kauft Flaschenpost – Kaufpreis: 1 MilliardeZunächst startete Dr. Oetker 2017 einen eigenen Flaschenpost-Klon mit Durstexpress. Die Anbieter lieferten sich mit deutschlandweiten Plakataktionen zeitweise eine Werbeschlacht. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, ob Dr. Oetker beide Marken weiter betreibt oder zu einer zusammenführt.

Flaschenpost: 

 

Flaschenpost, von Insidern liebevoll Flapo genannt, ist aktuell in 23 deutschen Städten unterwegs. Flapo soll allein im Oktober einen Umsatz in Höhe von 27 Millionen Euro eingefahren haben. Hochgerechnet sind das über 320 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Oetker-Gruppe zahlt somit rund dreimal Umsatz für Flapo. 

COUP: 

 

Das Corporate-Startup Coup ist am Ende, das Unternehmen gibt auf. Eine Fortführung des Dienstes sei “auf dem hart umkämpften Sharing-Markt bei gleichzeitig hohen Kosten langfristig wirtschaftlich nicht möglich”, heißt es vom Unternehmen zur Einstellung. 

 

Der Berliner E-Scooter-Anbieter Tier Mobility übernimmt – wie erwartet – die Überreste der E-Roller-Firma Coup, dem gescheiterten Corporate-Startup, das BCG Digital Ventures 2016 für Bosch auf die Straße geschoben hat. Tier übernimmt konkret “rund 5000 E-Mopeds von Coup mitsamt der Ladeinfrastruktur?”. Künftig soll es möglich sein, über die Tier-App nicht nur E-Scooter, sondern auch E-Roller mieten zu können. Im Mai soll es in Berlin damit losgehen. Coup beschäftigte kurz vor dem Aus in Berlin, Paris und Madrid rund 120 Mitarbeiter. 75 Mitarbeiter davon wirkten in Berlin. Allein in Berlin standen zuletzt etwa 1.500 Coup Fahrzeuge. Bosch hatte bei Coup den Stecker gezogen, weil eine Fortführung des Dienstes “auf dem hart umkämpften Sharing-Markt bei gleichzeitig hohen Kosten langfristig wirtschaftlich nicht möglich” sei. Nun muss das Tier-Team, das gerade weitere 40 Millionen bekommen hat, beweisen, dass es die Roller profitabel betreiben kann.